Buchvorstellung und Diskussion mit Felicita Reuschling und Susanne Schultz am 10.02.

"Sie nennen es Leben - wir nennen es Arbeit. Biotechnologie, Reproduktion und Familie im 21. Jahrhundert

 

 Kitchen Politics (Hg.): Sie nennen es Leben, wir nennen es Arbeit. Biotechnologie, Reproduktion und Familie im 21. Jahrhundert

 

Buchvorstellung und Diskussion mit Felicita Reuschling und Susanne Schultz

 

 Mittwoch, 10.02.2016, 20 Uhr

 

Karl-Marx-Buchhandlung (Jordanstr. 11, Frankfurt am Main)

 

 Der dritte Band der Reihe Kitchen Politics – Queerfeministische Interventionen “Sie nennen es Leben, wir nennen es Arbeit ist eine feministisch und marxistisch inspirierte Analyse des globalen Marktes für Reproduktionstechnologien von den Autorinnen Melinda Cooper und Catherine Waldby. Für sie ist dieses Projekt Ausgangspunkt grundlegender Analysen der aktuellen Transformationen von Arbeit, Reproduktion und Familie.

 

  Das Buch dokumentiert sowohl einführende als auch neue vertiefende Arbeiten. Felicita Reuschling und Susanne Schultz von Kitchen Politics diskutieren [...], wie politische Kämpfe innerhalb und jenseits von Arbeitsverhältnissen aussehen könnten, beziehen die aktuelle deutsche Gemengelage mit ein und reflektieren, welche Auswirkungen der kapitalistische Realismus auf die Lebbarkeit utopischer Lebensformen hat.” (www.edition-assemblage.de/sie-nennen-es-leben-wir-nennen-es-arbeit)

 

Veranstaltung mit feministischer Unterstützung des autonomen Frauen*Lesben Referats und der Karl-Marx-Buchhandlung

 

 

 

 

 

 

„Marsch für das Leben“? – What the fuck! Antifeminismus sabotieren! Für körperliche Selbstbestimmung demonstrieren! Christliche FundamentalistInnen blockieren!

Für den 19. September 2015 mobilisiert der Bundesverband Lebensrecht (BVL) wieder zu einem „Marsch für das Leben“ in Berlin. Der Marsch ist einer der wichtigsten öffentlichen Auftritte der selbsternannten „LebensschützerInnen“ und verbindet eine breite reaktionäre, antifeministische und fundamentalistische Bewegung. Betroffen von der Forderung des BVL nach einem generellen Verbot von Schwangerschaftsabbrüchen sind vor allem Frauen_Lesben_Trans*_Inter* (kurz: FLTI*), deren Möglichkeiten, darüber zu entscheiden, ob sie eine Schwangerschaft austragen wollen oder nicht, noch weiter eingeschränkt werden sollen. Nicht zuletzt die wachsenden TeilnehmerInnenzahlen des Marsches, von der bürgerlichen Mitte der Gesellschaft bis hin zu organisierten Neonazis, machen eine entschlossene Antwort notwendiger denn je.

Wir unterstützen deshalb den Aufruf des 'What the fuck'-Bündnisses gegen den sogenannten Marsch für das Leben:

Sabotieren, Demonstrieren, Blockieren!

Redebeitrag bei der Demo zum Feministischen Kampftag am 8. März 2015

 

Die soziale Reproduktion befindet sich in der Krise. Außerdem der Euro, die Gesundheitsversorgung, der öffentliche Nahverkehr,  und die Geschlechterverhältnisse auch. (Je nachdem, ob man den Begriff des “Gender-Wahns” zum eigenen Wortschatz zählt, ist das mehr oder weniger gut). Das kapitalistische Wirtschaftssystem ist in der Krise, irgendwie auch sowieso und immer wieder neu. Ob dieser epidemiologisch sicher interessanten Krisenhaftigkeit drängt sich am Ende des Tages, nach Lohnarbeit, diverser Repro-Pflichten und ein paar politisch wichtiger Stunden im Schneeregen an der Hauptwache, doch gerne mal die Frage auf: Und was, bitteschön, was ist eigentlich mit MEINER Krise?

 

Der Kapitalismus wäre nicht der Kapitalismus, wenn es nicht für jede Frage auch eine gute Antwort gäbe. Die in diesem Fall exemplarischer Weise auf eine Kurzformel zusammengefasst werden kann: Yoga (nein, nicht die Kinder zum Yoga - selber soll man ran)! Von unseren Freund_innen von “geschlecht bestreiken” wurde dies freundlicherweise bereits auf folgende plakattaugliche Variante gebracht: 40-Stunden- Job, 3 Kinder und ein Pflegefall? Mach doch Yoga!

Wahlweise ist es allerdings auch möglich, ins Fitnessstudio (da gibt´s auch Yogakurse!) oder zur allseits beliebten Psychotherapie zu gehen. Hauptsache man betreibt in einem Ausmaß Selbst-Sorge(-Arbeit), die jeder Person die konstruktive Teilhabe am Bruttoinlandprodukt gerade eben so noch ermöglicht. Außerdem sollten nicht allzu viele durchaus Care-Willige Freundinnen und Freunde davon abgehalten werden, ihren Teil zu erwirtschaften. Und für alle, die es noch nicht wussten: Schlafen ist KEINE Alternative! Gerade streiten sich die Life Scientists gar darum, ob viel Schlafen ein Krankheitssymptom oder ein Krankheitsauslöser ist....

 

Folglich stellt sich heute, wie an so vielen Tagen, die Frage danach: Was tun? Die Lohnarbeit verweigern ist in ihren institutionalisierten und moralischen Grenzen zumindest möglich. Bei unentlohnten Care-Tätigkeiten ist das Problem bereits ungleich größer: Denn, obwohl wir diese Form der Arbeit wohl kaum immer und zu allen Zeiten lieben, ist eine Verweigerung ohne Rückgriff auf die viel zu selten vorhandenen kollektiven Care-Netzwerke, mit Konsequenzen verbunden, die der_die einzelne wohl kaum tragen kann, oder auch gar nicht will. Wers sich leisten kann, hat auch die Möglichkeit, sich Zeit für Selbstsorge zu erkaufen und jegliche Repro-Verpflichtungen an andere Menschen auszulagern:

An Frauen*, klar - wer soll sonst für waschen, putzen, bügeln, Pflege verantwortlich sein?

Gerne entlang rassistischer Differenzlinien!

Prekäre Beschäftigungsbedingungen inclusive!

Wer macht hier eigentlich wessen Dreck weg?

Und wer passt eigentlich auf deine Kinder auf?

 

Es wäre natürlich ein Traum, eine Selbstsorge jenseits der kapitalistischen Verwertungsverhältnisse zu propagieren oder zu fordern, bei der es nicht um die Erholung für die Lohn- und/oder Care-Arbeit geht. Es erscheint auch wirklich keine praktikable Option zu sein, das Problem zu verschieben, quasi aus den eigenen Lebensverhältnissen wegzubügeln und auf dem Rücken anderer Hedonismus zu feiern. Umso wichtiger erscheint es, Utopien zu schaffen, in denen auch Selbstsorge oder unterschiedliche Bedürfnislagen ihren festen Platz haben. Als mögliche Lösung, wenn man sie denn so nennen will, erscheint es, heute unseren Alltag kollektiv zu organisieren – was allerdings nicht im Rückzug aus politischen Aushandlungen enden sollte. Es reicht dabei nicht aus (auch, wenn es sehr schön ist) Lohnarbeit abschaffen zu wollen, sondern jeweils die radikale Kritik an geltenden Herrschaftsverhältnissen, die notwendigerweise komplex miteinander verschränkt sind, muss konsequent vorangetrieben werden.

 

In diesem Sinne: für die wirkliche Bewegung, die den jetzigen Zustand aufhebt - Es lebe die feministische Utopie!


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Weitere Redebeiträge von der Demo des 8.März - Bündnisses findet ihr hier:

http://feministischerkampftagffm.tumblr.com/

Artikel in der Zeitschrift "Widersprüche" veröffentlicht: Care is the love?

In der Dezember 2014 Ausgabe der "Widersprüche. Zeitschrift für sozialistische Politik im Bildungs-, Gesundheits- und Sozialbereich" mit dem Thema "Arbeit am Leben - Care-Bewegung und Care-Politiken" (Heft Nr. 134) ist unser Artikel "Care is the love? Einige Überlegungen zu Stärken und Fallstricken der aktuellen Debatte um Care-Arbeit" erschienen. Leider ist er online nicht einsehbar. Aber mit einiger Wahrscheinlichkeit hat die örtliche Uni-Bibliothek ein Exemplar oder du findest eine andere Möglichkeit den Text zu lesen. mehr lesen


Artikel in der AStA-Zeitung: Frankfurter Positionen zur Care-Revolution

Gegen-Bügeln - Frankfurter Positionen zur Care-Revolution

Der Text ist zuerst in der Zeitung des AStA der Uni Frankfurt (Ausgabe Herbst 2014) erschienen.

 

Positionspapier des AK Care Frankfurt

zur Care-Revolution Aktionskonferenz in Berlin vom 14.-16.3.2014

work and discussion in progress


Vom 14. bis 16. März 2014 fand die „Aktionskonferenz Care-Revolution“ (care=engl. für Sorge(-arbeit)) in Berlin statt. Die Organisator_innen hatten zum Ziel, verschiedensten Akteur_innen und Aktivist_innen aus den Feldern sozialer Reproduktion – Gesundheit, Pflege, Assistenz, Erziehung, Bildung, Wohnen, Haushalts- und Sexarbeit – eine Plattform zum Austausch über Erfahrungshorizonte und gemeinsame Handlungsstrategien zu bieten.

Angestoßen durch einen Workshop der Antifa Kritik & Klassenkampf gemeinsam mit der feministischen philosoph_innengruppe zum Frauenkampftag am 8. März 2014 sind auch aus Frankfurt am Main Personen aus den verschiedensten politischen Zusammenhängen gemeinsam zur Aktionskonferenz gereist. Einige von uns1 wollen an dieser Stelle ihre Einschätzungen und ihre Kritik zur Diskussion stellen. mehr lesen